
Die Geschichte, warum ich heute Ihr deutschsprachiger Reiseleiter in Pommern bin, beginnt lange vor meiner Geburt – im Herbst des Jahres 1939.
Damals geriet mein Großvater mütterlicherseits in deutsche Gefangenschaft und kam in das Stalag VIII B in Łambinowice. Von dort wurde er nach Berlin geschickt, wo er als Zwangsarbeiter arbeiten musste. Und wie das Leben – oder vielleicht auch der liebe Gott – die Dinge manchmal lenkt, fand er dort einen Freund unter den Deutschen.
Eines Tages flüsterte ihm der Freund (ein Wachmann) zu, dass er für ihn einen besseren Zufluchtsort habe als das Gefangenenlager. So wurde mein Großvater auf einen Bauernhof geschickt. Einige Wochen später kam auch meine Großmutter dorthin.
Dort vergingen Wochen, Monate und Jahre, bis sie schließlich wieder in ihre Heimat zurückkehren konnten. Erst im Jahr 1946, nach dem Krieg, heirateten sie.
Viele Jahre später kam ich zur Welt, und auch mir wurde von dieser Zeit erzählt. So wurde ich neugierig und wollte die Familie kennenlernen, bei der meine Großeltern damals gearbeitet hatten.
Aber wie? – dachte ich mir. Ohne Sprachkenntnisse?
Zu Schulzeiten hatte ich die Wahl zwischen zwei Fremdsprachen: Russisch oder… Russisch.
Erst nach der Wende, etwa 1992, kaufte ich mir zwei Bücher und zwei Kassetten und begann – ganz autodidaktisch – Deutsch zu lernen.
Anfang 1993 war ich zum ersten Mal in Deutschland. Und dort stellte ich schnell den Unterschied zwischen zwei Begriffen fest: „kostenlos“ und „umsonst“.
Schon am ersten Abend merkte ich, dass ich zwar gelernt hatte – aber irgendwie doch nicht richtig vorbereitet war. Mir war bis dahin nicht klar gewesen, dass die Deutschen anders schreiben als sie sprechen.
Sie schreiben „Wie bitte?“, sagen aber „Hä?“
Und dann die vielen Dialekte…
Ich hörte Sätze wie: „Heit isch Zaischdich“, was so viel bedeutet wie „Heute ist Dienstag“.
Für mich war das damals völliges Neuland.
Ganz zu schweigen von den Redewendungen… alter Schwede.
Ich erzähle euch noch eine kleine Geschichte, und dann ist für heute Schluss:
Ein guter Bekannter wollte mir beim Deutschlernen helfen. Jeden Abend sagte er:
„Trink, Jungchen – dann lösen sich die Knoten in der Zunge.“
Dann schaute er mich an und fragte:
„Na, was hast du eigentlich auf deiner Nase?“
Heute hätte ich gesagt: „Nasenfahrrad“, aber damals kannte ich solche Begriffe noch nicht. Also antwortete ich: „Eine Brille.“
Er sagte: „Sehr gut. Welche Brillenarten kennst du?“
Ich schlug schnell im Wörterbuch nach und zählte auf:
Schutzbrille, Sonnenbrille, Schweißerbrille, Hornbrille, Fielmann-Brille, Taucherbrille…
Er nickte und sagte: „Gut, aber es gibt noch eine Brille.“
Ich fragte: „Trägt man sie auch auf der Nase?“
Er antwortete: „Ja… aber das hängt vom Zustand des Trägers ab.“
Bis zu diesem Abend wusste ich nicht, was eine „Toilettenbrille“ ist.
Aber Manfred hat es mir sehr anschaulich erklärt…
🌍 Weitere Regionen in Polen
- Masuren – Seen, Natur und Ruhe
- Kaschubei – Kultur und Tradition im Norden
- Polnische Ostsee – weite Strände und frische Meeresluft
- Krakau und Kleinpolen – Geschichte und Kultur im Süden
- Niederschlesien – Schlösser und beeindruckende Landschaften
- Podlachien & Białowieża – Urwälder, Wisente und pure Wildnis
- Bieszczady – wilde Natur und ursprüngliche Stille
👉 Einen Überblick über alle Regionen finden Sie hier: Regionen in Polen

